Finanzecke März 2026

Finanzecke
für die Ausgabe vom 13. März 2026 im «Andelfinger»
Ruhe bewahren am Aktienmarkt: Was Anleger jetzt wissen müssen
Die Schlagzeilen der letzten Tage sind bedrückend. Die Eskalation im Nahen Osten verursacht in erster Linie grosses menschliches Leid, hinterlässt aber auch an den weltweiten Finanzmärkten deutliche Spuren. Viele Anlegerinnen und Anleger sind verunsichert: Seit seinen Höchstständen im Februar hat der Schweizer Leitindex SMI innert weniger Tage mehr als sieben Prozent an Wert verloren. Entsprechend stellt sich die Frage, wie man sich jetzt verhalten soll – verkaufen oder Ruhe bewahren?
Zur Einordnung der aktuellen Situation lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit. Der Nahe Osten spielt seit jeher eine zentrale Rolle für die globale Energieversorgung. Konflikte in der Region schüren an den Märkten häufig die Sorge vor blockierten Handelsrouten oder beschädigten Ölanlagen. Steigende Ölpreise können wiederum die Inflation anheizen und das Wirtschaftswachstum dämpfen.
Ein extremes Beispiel dafür ist die Ölkrise von 1973/74, als der Schweizer Aktienmarkt über 50 Prozent an Wert verlor. Ein solches Szenario gilt heute jedoch als wenig wahrscheinlich. Die Weltwirtschaft ist weniger abhängig vom Erdöl als noch vor 50 Jahren. Dies zeigen auch spätere Konflikte: Während der Islamischen Revolution im Iran 1979 legte der Schweizer Aktienmarkt um rund zehn Prozent zu. Im Golfkrieg 1990 hielten sich die Verluste mit etwa 19 Prozent im Vergleich zur grossen Ölkrise in Grenzen. Und selbst der Irakkrieg 2003 konnte den Aufwärtstrend nicht brechen – der SMI gewann in jenem Jahr rund 22 Prozent, auch dank der Erholung nach dem Platzen der Dotcom-Blase.
Zudem zeigt die Erfahrung, dass sich die Finanzmärkte oft schneller erholen als erwartet, sobald die grösste Unsicherheit nachlässt. Ein bekanntes Börsensprichwort bringt es auf den Punkt: «Politische Börsen haben kurze Beine.» Zwar führen politische Krisen häufig zu starken Kursschwankungen, doch diese sind meist nicht von langer Dauer. Wer in Panik verkauft, läuft Gefahr, die anschliessende Erholung zu verpassen.
Einige Grundregeln können helfen, mit der aktuellen Volatilität umzugehen:
Langfristig denken: Wer über eine klare Anlagestrategie verfügt, sollte daran festhalten. KurzfristigeSchwankungen gehören zum Investieren dazu.
Breit streuen: Eine breite Diversifikation über Regionen, Branchen und Anlageklassen reduziert Risiken. In unsicheren Zeiten kann auch Gold stabilisierend wirken.
Schrittweise investieren: Neue Investitionen lassen sich gestaffelt tätigen, um das Risiko eines ungünstigen Einstiegszeitpunkts zu reduzieren. Wer bereits investiert ist und über freie Mittel verfügt,
kann Kursrückgänge zudem gezielt für Zukäufe nutzen.
Fazit: Krisen und Konflikte können die Börsen kurzfristig stark bewegen. Langfristig werden die Finanzmärkte jedoch vor allem von der wirtschaftlichen Entwicklung und der Innovationskraft der Unternehmen geprägt. Geduld und eine klare Strategie bleiben deshalb auch in turbulenten Zeiten diewichtigsten Erfolgsfaktoren.
Daniel Fritschi – Leihkasse Stammheim AG


